Groß, klein, prall, rund: Der Busen im Lauf der Geschichte.

Titstory: Brüste im Laufe der Geschichte

Kleidung paßt sich bekanntlich dem Körper- und dem Lebensgefühl der Träger an. Folglich wechselt die Mode dauernd ihr Erscheinungsbild. Doch wie sieht’s drunter aus? Ist ein Busen immer ein Busen? Von wegen. Wir wagen den Griff unter die Bluse der Geschichte.

Brüste unterliegen genau wie die sie umhüllende Mode heftigen Schwankungen. Mal sind sie größer, mal kleiner, mal fester, mal spitzer. Mal wackeln sie, mal hängen sie. Kate Moss hätte bei Rubens jedenfalls nie eine Chance bekommen. Pamela Anderson wäre bei Cranach aus dem Atelier geflogen. Und eine Botticelli-Venus wäre von Helmut Newton nicht mal in die Kartei aufgenommen worden.

Der erste offizielle Busen des Christentums war der von Eva. Und der war klein. Denn das Mittelalter tat sich schwer mit Möpsen ohne Leine. Folglich wurde Eva grundsätzlich schmalbrüstig dargestellt. Etwas mehr Holz vor der Hütte war nur bei Hexendarstellungen erlaubt, aber vom schönsten Busen sah man immer nur Andeutungen. Den hatte vermutlich die Jungfrau Maria. Beim sogenannten Maria lactans-Motiv, also „Maria, die milchende“ verzichten die Meister jedoch konsequent auf Nippel. Der saugende Jesus versperrt konsequent die Sicht und erstickt damit jede Vorhof- und Nippelanalyse im Keim.

Die Bilder der erlaubten Brüste – das waren neben Venus nicht viele – lassen aber Rückschlüsse auf den Busen der Zeit zu. Untertassengroße Vorhöfe, wie sie später in Busenwunderfilmen populär wurden, waren offenbar unbekannt. En vogue dagegen – so darf vermutet werden – waren Nippel in Kirschformat und -farbe. Über das Volumen von Mariens Brüsten schien aber zwischen Tizian, Cranach und Konsorten weitgehend Einhelligkeit zu herrschen. Sie waren klein, sehr klein. Um nicht zu sagen untypisch klein für eine Mutter just nach dem Einschießen der Milch.

Rubens hat trotz seiner kraftvollen Akte nicht wirklich was für den Busen tun können. Deswegen springen wir gleich ins 20. Jahrhundert. Richtig dralle Oberweiten kennen wir – zumindest öffentlich – nämlich erst seit Einführung des Bikinis. Dessen vornehmste Aufgabe war es, den Atombusen zu verhüllen. Ob es dabei Zufall oder Ironie der Geschichte war, dass die USA ihre ersten Atombombenversuche auf dem Bikini-Atoll durchführten, bleibt indes ungeklärt. Weniger rätselhaft ist die Kontur des 50er-Jahre-Busens. Groß, (biss-)fest und vor allem gen Nippel spitz zulaufend mußte er. Dieses ‘bombastische’ Aussehen erzielte man mit Hilfe von BH-Versteifungen aus Draht. Darüber trug man etwas spannend enges, damit sich zwischen den Nippeln eine schön scharfe Kante bildete.

Dass diese konische Form künstlich erzeugt war, bewies dann später Russ Meyer sehr eindringlich in Werken wie „Supervixens“. Er ließ keine Zweifel daran, dass ein richtig in Schale geworfener Busen eine Waffe sein kann. Die unverschalten Sexszenen hinterlassen nämlich aufgrund des großen Geschlenkers immer einen etwas kuhigen Eindruck. Aber das mag geschmäcklerisch sein.

Mit Marilyn Monroe hielten dann die etwas weicheren Formen Einzug. Der Pettycoat kam aus der Mode. Und mit ihm die strenge Wespen-Taille und die gefährlich vorstehenden Atombusen. In den USA ist die Busenform der Monroe auch als Pancake (Pfannkuchen) bekannt. Eine wenig schmeichelhafte, aber nachvollziehbare Analogie, wenn man sich Frau Monroe mal ohne BH auf dem Rücken liegend vorstellt. … Klappt’s?

Weiterhin dem Atombusen verpflichtet, aber schon mit weicheren Linien sind die Frauen bei Mel Ramos. Seine Werbeplakate erregten in den 60ern zweifellos ein ähnliches Aufsehen wie Botticellis „Venus“. Die beworbenen Produkte verkauften sich prächtig, viele Frauen wollten aber nicht länger dem Baby-Speck-Ideal nacheifern. Und ehe Männer sich’s versahen, war die Gegenbewegung da: Der Twiggy-Look. (Ja, es gab auch die frühen 70er Jahre, aber den Woodstock-Hippies verdanken wir vor allem hängende Kleider und ebensolche Brüste). Mit Twiggy und Jane Birkin dagegen verband sich eine existentielle Schlichtheit in der Garderobe, die auch in der Schlichtheit der Oberweite ihren natürlichen Niederschlag fand. Peanut-Smuggler nennen Engländer Frauen im Twiggy- oder Kate-Moss Format. Im Gegensatz zu den Basketball-Smugglers, die durch die flächendeckende Verarbeitung von Silikon-Kissen in den 80er Jahren beliebt wurden. Zumindest bei Porno-Produzenten.

Heute leben große und kleine Busen einträchtig nebeneinander. Geschmackliche Ausfälle wie die Wassermelonen-Implantate von Lollo Ferrari konnten sich nicht durchsetzen. Pamela Anderson – das Titten-Ideal der 90er – wird aber dank reichhaltiger Silikoneinlagen im Internet immer noch gerne geklickt. Genauso heiß gehandelt werden allerdings die Peanutsmuggler wie Naomi Campbell oder Kate Moss. Die aktuelle Fotografie läßt vermuten, dass derzeit die mittleren Größen gefragt sind. Ruhig ein wenig birnig, aber mit akzentuierten Nippel, die nicht größer als ein 2-Euro Stück sein sollten. Aber auch das ist vielleicht nur eine vorübergehende Mode…