Jeder mit jedem

Pansexualität – Alles ist möglich!

Ein neues Wort zieht weite Kreise: Der Begriff Pansexualität wird immer öfter auch hierzulande angewandt, um jene Menschen zu beschrieben, die sich bei der Wahl ihrer Partner nicht auf ein bestimmtes Geschlecht beschränken. Doch braucht man wirklich ein solches Modewort? Warum reicht Bisexualität nicht als Begriff?

„Alles“, „ganz“, „gesamt“: Die genau Übersetzung des Wortes „Pan“ aus dem Griechischen bezeichnet anschaulich, worum es geht: Pansexualität oder Pansexualismus bezieht sich auf eine sexuelle Orientierung oder sexuelle Identität, die bei Wahl der Sexualpartner keinerlei Auswahl nach dem Geschlecht trifft. Der Mensch steht im Vordergrund, nicht das Geschlecht des Menschen. Das bedeutet, dass ein pansexueller Mensch, eine sexuelle Anziehung zu Mann und Frau, aber auch zu Transsexuellen oder Hermaphroditen bzw. Zwittern empfinden kann. Der Pansexualismus betrachtet letztlich den Menschen für sich und sieht nicht sofort eine Einteilung als Mann, Frau, Zwitter oder Transsexuellen. Der Mensch als liebendes und auch sexuell zu begehrendes Wesen steht im Vordergrund. Damit unterscheidet sich die Pansexualität von der Bisexualität in der nur Mann und Frau als Partner in Frage kommen.

Manche Medien und Wissenschaftler sehen die Pansexualität bereits als Trend der Zukunft: „Sobald die Nachwuchserzeugung nicht mehr an das biologische Geschlecht gebunden sein wird, wird die letzte Schranke der Geschlechterdifferenzierung fallen“, behauptet der Prof. Dr. Bernhard Taureck. Der Philosoph sieht ein großes Interesse am Thema Pansexualität in der Gesellschaft.

In der Wissenschaft ist der Begriff Pansexualität längst geläufig: Die Sexual-Wissenschaftlerin J. Boom glaubt sogar, dass die Akzeptanz dieser sexuellen Ausrichtung in der Lage ist, vielfältige psychische Störungen, die durch die gesellschaftliche Limitierung der Sexualität entstehen, nichtig zu machen. Innere Konflikte oder Ängste, die durch Unterdrückung von Sehnsüchten entstehen, würden sich auflösen. In der Natur sei die Pansexualität bereits häufig dokumentiert worden, so die Wissenschaftlerin.

Doch ist das neue Wort „Pansexualität“ nicht nur eine neue Beschreibung für das, was tolerante Menschen seit Jahr und Tag leben? Wie sonst ist zu erklären, dass Bi- und Trans-Abenden in Erotik-Clubs in einer solchen Regelmäßigkeit stattfinden? Marcus H. vom Swinger-Club „Beverly“ in Solingen berichtet: „An unseren Dienstagen finden sich viele Männer und Frauen ein, die sich gleichgeschlechtlich austoben möchten. Und es kommen viele Transvestiten und sogar Transsexuelle. Da kann jeder tun, was er oder sie oder er-sie möchte.“ Und auch bei feucht-fröhlichen Gay-Events – der Christopher Street Day sei in diesem Kontext genannt – fallen mit etwas Alkohol oftmals auch die Hemmungen vormals beinharter Heteros. Damit scheint sich wiederum die These von J. Boom zu bestätigen, die den Begriff „Pansexualität“ als geeignet sieht, Vorurteile abzubauen. Sobald ein Mensch seine Neigungen ausleben kann und glücklich ist, weil er sich als „pansexuell“ bezeichnen kann und damit nicht mehr als „Schwuchtel“ gilt, hat die Wortkreation ihre Aufgabe vielleicht erfüllt. Generell aber gilt: Erlaubt ist, was gefällt (solange es gesetzeskonform ist!). Egal, ob pansexuell, bi, gay oder natürlich hetero!