Ein Hormon ist schuld, dass gerade Frauen nach dem Sex anhänglich werden...

Warum wir kuscheln…

Warum wollen Frauen kuscheln? Ganz einfach: das beim Orgasmus ausgeschüttete Sexualhormon Oxytocin macht Frauen kuschelsüchtig. Eine körpereigene Droge mit Euphorisierungseffekt und fast keinen Nebenwirkungen.

Erst findet man einen Jungen süß. Dann zieht man ein bisschen um die Häuser und findet ihn schon ziemlich super-süß. Aber wenn man mit ihm ins Bett geht und einen Orgasmus hatte – dann kann man sich ein Leben kaum noch ohne ihn vorstellen. Und warum die plötzliche Bindungssucht? Wegen eines einzigen Hormons namens Oxytocin, dem sogenannten Kuschelhormon. Das behauptet jedenfalls Diane Witt, Psychologin an der University of Binghamton, New York.

Oxytocin ist in der Gynäkologie schon lange bekannt als Mittel zur Wehenförderung. Es wird bei Geburten ausgeschüttet, kann aber auch künstlich hergestellt werden und kommt in den USA in 75 von 100 Krankenhausgeburten zum Einsatz, um eine schnelle Geburt zu gewährleisten. Was kein Zufall ist, weil Oxytocin aus dem Griechischen kommt und soviel bedeutet wie „flinke Geburt“.

Viel erstaunlicher ist aber die Wirkung von Oxytocin auf die Psyche. Die einen nennen es nämlich das Kuschelhormon, andere nennen es Sozialhormon. Fest steht, dass Oxytocin eine besonders intensive Beziehung zwischen Mutter und Baby begünstigt. Nun wird Oxytocin aber auch beim Orgasmus ausgeschüttet. Und da kommt der Kuscheleffekt ins Liebesspiel. Diane Witt geht sogar so weit, dem Sexualhormon fast so etwas wie einen Pawlow-Effekt zu attestieren. Hat man nämlich mehrmals Sex mit dem gleichen Partner, dann kann das dazu führen, dass der Oxytocin-Spiegel allein durch den Anblick des Partners steigt. Und das führt fast unweigerlich dazu, mit dieser Person ins Bett gehen zu wollen.

Zu Recht wird das Hormon deshalb als Langzeitklebstoff für Beziehungen gehandelt. Nur: So positiv sich die Wirkungsliste von Oxytocin auch liest, Witt vermutet, dass auch krankhafte Beziehungen möglicherweise durch Oxytocin ausgelöst werden. Und zwar durch eine Überdosis. Sei es eine übertriebene Mutter-Kind-Beziehung oder sogar Pädophilie. Denkbar ist schließlich, dass sogar Hörigkeit – also die abnorme (sexuelle) Abhängigkeit von einem Partner auf überhöhte Oxytocin-Werte zurückzuführen ist.

Noch steht die Forschung am Anfang. Dennoch gibt es schon jetzt oxytocinhaltige Sprays (Syntocinon), zumindest auf Rezept. Die finden in den USA sogar in ganz ungewohntem Umfeld Abnehmer: Bei Show-Girls. Denn in geringer Dosierung lässt es die Nippel erigieren, was auf manchen Bühnen sicher ein durchaus gewünschter Nebeneffekt des Hormons ist. Ob die Tänzerinnen nach ihrem Auftritt deswegen aber an der Theke kuscheln wollen, sei dahingestellt. Ach ja – fast hätten wir den entscheidenden Nebeneffekt von Oxytocin vergessen: Es macht vergesslich.