Pheromone machen geil oder garstig

Du riechst so scharf – Düfte und ihre Wirkung

Liebe geht durch den Magen, haben uns unsere Großmütter gelehrt. Sicher wussten sie nicht, dass sexuelle Anziehungskraft weniger mit einem wohlriechenden Mahl zu tun hat als mit den feinen Pheromonen, die unserer Partner verströmt.

Viele Gerüche wirken ohne, dass ein selbst erlebter Zusammenhang besteht. So haben auch Menschen einen völlig individuellen Eigengeruch. Manche Menschen „können sich riechen“, manche nicht. Oftmals ist es nur ein flüchtiger, unbewusster Hauch, der über Sympathie oder Desinteresse entscheidet. Auch Angst oder Stress machen sich über die Nase des Gegenübers bemerkbar, während Siegertypen angeblich sogar unterbewusst durch ihren Eigengeruch Eindruck machen. Wissenschaftlich konnten diese Phänomene jedoch Jahrhundertlang nicht belegt werden, erst moderne molekular- und zellbiologische Methoden erlauben uns einen kleinen Einblick in die Wirkung von Aromen.

Und wirken tun Düfte erwiesenermaßen, egal, ob sie genauso in der Natur vorkommen, oder extrahiert und mit anderen arrangiert werden. Sie können sich positiv auf den psychologischen und physiologischen Zustand eines Menschen auswirken oder unterschwellig beeinflussen. Und so werden sie heute überall eingesetzt. Als Parfüm, als Raumduft oder zur positiven Beeinflussung von Stimmung und Gesundheit. Manche Düfte lassen ihren Träger selbstbewusst und attraktiv wirken, manche Stoffe sollen dafür sorgen, dass sich die Konzentration des Nutzers verbessert, andere wiederum helfen beim Stressabbau. Einzelne Aromen – von floralen Duftnoten bis hin zur Pampelmuse – lassen die Trägerin bei männlichen Betrachtern sogar schlanker oder jünger erscheinen.

Zu gern würden wir glauben, dass wir uns in unseren Partner verliebt haben, weil wir sofort eine tiefe Seelenverwandtschaft verspürten. Die Wahrheit ist jedoch viel profaner. Denn ob ein anderer Mensch den gleichen Humor hat, die gleiche Weltsicht und den gleichen Geschmack ist nur von geringer Bedeutung, wenn wir ihn nicht riechen können. (Liebes-) Spielentscheidend sind nämlich die Pheromone. Sie riechen nach nichts, und trotzdem lassen wir uns von ihnen an der Nase herumführen. Denn über das Pflugscharbein an der Nasenscheidewand nehmen wir unbewusst die Lockstoffe unseres Gegenübers wahr. Ob wir wollen oder nicht. Denn jeder Quadratzentimeter Haut sondert pro Stunde etwa tausend Zellen ab. Eine Geruchskomposition, die genauso individuell ist wie ein Fingerabdruck. Nur mit wesentlich mehr Verführungspotential. Denn gerade nach dem Sex mischen sich besonders viele Pheromone in den Geruchs-Cocktail. Was beim Partner ein wohlig aufgeschlossenes Gefühl auslöst.

 

Schon lange wird in der Parfum-Industrie speziell  nach sexuellen Lockstoffen gesucht. Und es gab sogar diverse Düfte, die natürliches Pheromon enthielten. Allerdings von Ebern. Derart parfümierte Herren waren sich also in erster Linie der Zuneigung von echten Wildsäuen sicher. In den Laboren der amerikanischen Firma Erox wurden schließlich menschliche Pheromone auf künstlichem Wege hergestellt und weltweit patentiert. Bei uns erhältlich unter dem Namen „Realm“. Wer also nicht auf seine eigene Ausstrahlung und –Dünstung vertraut, der kann sich und seinem anvisierten Partner für 30 bis 80 Euro zumindest ein verlockendes Angebot unter die Nase reiben. Oder für gleiches Geld Chanel oder Guerlain verschenken. Das wirkt mitunter auch ohne Pheromone sexy.