Liebe unter Männern

Homosexualität

Gleichgeschlechtliche Liebe taugt heutzutage kaum noch zur Diskriminierung, sei es auf dem Pausenhof oder in der Politik. Und das ist auch gut so. Aber so selbstverständlich war das nicht immer.

Im Unterschied zur Heterosexualität (die Liebe zum anderen Geschlecht) oder Asexualität (tote Hose) bedient sich Homosexualität  grundsätzlich des gleichen Geschlechtes zur Befriedigung des Triebes. Vorkommen tut sie bei also bei Männern, Frauen und natürlich in den besten Familien – egal ob wie Wowereit, Westerwelle, Joop oder Müller, Meier, Schmitz heißen.

So beschwerlich, wie sich die Homosexualität in unseren Tagen aus den Fesseln bürgerlicher Moralvorstellungen befreien musste, hatte es in anderen Kulturen freilich nicht. Schon bei den alten Griechen war die schwule Liebe nicht nur geduldet, sondern teilweise sogar willkommen. Sie galt als Zeichen von Männlichkeit und Mut und bestand ohne weiteres neben dem klassischen Familienleben.

In der Neuzeit dagegen wurde die Homosexualität von  Kirche und Staat weitgehend tabuisiert, wenn auch weiter munter praktiziert. Auch von berühmten Persönlichkeiten, wie dem Maler Gustave Courbet oder den Autoren Oscar Wilde oder Marcel Proust wusste man, dass sie Männern alles andere als abgeneigt waren, doch schütze ihr Ruhm auch sie nicht davor, von Teilen der Gesellschaft als Perverse verachtet zu werden.

An einem Sommertag 1969 ertönte aus einer Bar  in Manhattan schließlich der Schlachtruf „We are everywhere!“ – womit gemeint war, dass die Polizei, die den Schwulenclub hochgehen lassen wollte, in der Minderheit war und dies in den folgenden Ausschreitungen auch durchaus zu spüren bekamen. Seit diesem Aufstand in der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Greenwich Village trat die Homosexualität ihren modernen Siegeszug an. In der Tat ermöglicht es die Offenheit der Schwulenbewegung nun, vielen bislang latent homosexuell lebenden Menschen, ihre Orientierung ausleben zu können.

In den Endsiebzigern und Achtzigern entwickelte sich die homosexuelle Kultur parallel zu den konventionellen bürgerlichen Ritualen der Heteros (Heirat, Familie, etc.) zu einem munteren Lebensstil, der wesentlich promiskuitiver und unverbindlicher daherkam, aber durchaus auch langfristige Partnerschaften verfolgte – bis hin zur seit Längerem auch in Deutschland möglichen „Homo-Ehe“.

Mit der homosexuellen Befreiung ging der schwule Volkssport „Outing“ einher: Wer homosexuell war und sich nicht dazu bekannte, wurde einfach von anderen bekannt gemacht. Ob wahr oder nicht, auch heute noch tauchen regelmäßig neue, angebliche Enthüllungen über Promis auf. Der Bundestrainer, Philip Lahm, Tom Cruise oder John Travolta können ein Lied davon singen…

In den 80ern bereitete die Krankheit AIDS dem großen Spaß in Dark Rooms und auf Parkplätzen ein Ende, da sich der Virus Anfangs vor allem unter homosexuellen Männern drastisch verbreitete. Dies führte zu der fälschlichen Annahme, dass es sich bei AIDS um eine „Schwulenkrankheit“ handelte und sorgte für weitere Diskriminierungen.

Heute haben Homosexuelle speziell in westlichen Großstädten keinerlei Repressionen mehr zu befürchten und ihre Akzeptanz in der Bevölkerung sorgt dafür, dass auch homosexuelle junge Männer und Frauen sich bedenkenlos outen oder Erfahrungen sammeln können. Und mittlerweile gilt: „Ein bisschen bi schadet nie!“