Auch Männer können ihren Teil zur Verhütung beitragen...nicht nur mit Kondom!

Verhütung: Wann kommt die Pille für den Mann?

Nachts nach der Disco: Beide sind angetrunken, scharf und wollen schnell zur Sache kommen. „Hast du Kondome?“, fragt sie, er antwortet: „Nein, ich verhüte mit Spritze“. Mal außer acht gelassen, dass Kondome natürlich essentiell zur Verhinderung der Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten sind, wird dieser Dialog wohl kaum in naher Zukunft stattfinden. Keine Frau würde einem Mann, den sie nicht gut kennt, dabei vertrauen, dass er für die Verhütung sorgt.

Bei Paaren in langen Beziehungen sieht das allerdings schon wieder ganz anders aus. Hier wünschen sich viele Frauen, nicht alleine für Verhütung sorgen zu müssen, immer an die Pille zu denken, die Spirale oder das Hormonstäbchen einsetzen zu lassen. Doch die Medizin tut sich bisher schwer mit der „Pille für den Mann“.

Eigenständig, sicher und zuverlässig verhüten können Männer derzeit nur mit dem Kondom oder durch eine Vasektomie. Die dritte – äußerst unsichere – Möglichkeit ist der Coitus interruptus.

Die Vasektomie wird Männern empfohlen, die bereits Kinder haben und keinen weiteren Nachwuchs planen. Alleine in den USA unterziehen sich jährlich mehr als eine halbe Million Männer einer solchen Maßnahme. Sie ist billiger als die operative Sterilisation der Frau und besitzt eine höhere Erfolgsrate mit zugleich geringeren Komplikationen. Dennoch lassen sich doppelt so viele Frauen in den Vereinigten Staaten sterilisieren als Männer, sagt Nathaniel Fried von der John Hopkins Medical School in Baltimore, Maryland.

Bei den meisten Vasektomien wird vom Chirurgen ein etwa 1,5 Zentimeter großer Bereich des Samenleiters entfernt. Die Schnittstellen werden danach entweder durch Verödung verschlossen oder mittels eines Silikonpropfens versiegelt. Bei einer neueren Methode wird der Samenleiter nur mit einem implantierten Plastikclip zugedrückt, sodass keine Spermien mehr hindurch gelangen können. Klingt nicht angenehm, ist aber harmlos, sicher und umkehrbar, allerdings ist die Vasektomie nichts für die spontane Verhütung.

Eine Zwei-Monats-Spritze soll nun das leisten, was die Pille für die Frau kann. Ein Hormon-Mix aus Testosteron und Gestagen, alle zwei Monate gespritzt, soll Männer gezielt zeugungsunfähig machen. Tests dazu laufen derzeit an den Universitätskliniken Halle und Münster, berichtet das Apothekenmagazin „Baby und Familie“. „Die Hormone verhindern, dass das Gehirn Signale für die Bildung der Spermien aussendet“, erklärt Forschungsleiter Professor Dr. med. Hermann M. Behre die Wirkungsweise der Spritze. „Nach drei bis sechs Monaten finden sich keine Spermien mehr im Ejakulat.“ Wird die Maßnahme eingestellt, ist der Mann nach sechs Monaten wieder zeugungsfähig. Sehr langwierig und bei der bekannten Aversion mancher Männer gegen Spritzen möglicherweise ebenfalls nicht dafür geeignet, die Frau bei der Verhütung zu entlasten.

Mittels Ultraschall soll jetzt alles anders werden. Früher wurde mit Ultraschall experimentiert, um das Samenleiter-Gewebe quasi zu „kochen“ und mit den zerstörten Zellen den Samenleiter zu verschließen. Da das eh kein Mann mit sich machen lässt, haben sich Forscher nun direkt aus der Ehe inspirieren lassen: Man muss Spermien nur kräftig anschreien, dann verkriechen sie sich. Mediziner der University of North Carolina haben es ausprobiert. Sie richteten ein gewöhnliches Ultraschallgerät, wie es beispielsweise zur Schwangerschaftsuntersuchung benutzt wird, direkt auf die Hoden. Erste Resultate zeigen, dass die hochfrequenten Luftschwingungen „die Spermienproduktion bis zu sechs Monate zum Erliegen“ bringen, meint Forschungsleiter James Tsurata. Die Effekte von Ultraschallwellen auf männliche Keimzellen wären lediglich temporär. Außerdem hinterließ die Hochfrequenzbehandlung vermutlich keine dauerhaften Schäden, so die Wissenschaftler. Langzeitstudien liegen allerdings noch nicht vor. „Wir glauben, dass Männer mit nur einer Ultraschallbehandlung alle sechs Monate zuverlässig, kostengünstig und vor allem ohne Hormone verhüten könnten“, so Dr. Tsurata. Dabei könnten herkömmliche Ultraschallgeräte aus der Sportmedizin oder Physiotherapie verwendet werden.

Wir werden sehen, was die Zukunft bringt… Bis dahin bieten Kondome den besten Schutz vor Schwangerschaft und Krankheiten.