Wir sagen, wie groß die Gefahr wirklich ist!

Tötet Michael Douglas den Cunnilingus?

Den einen wird es schockieren, dem anderen eine Entschuldigung geben, um seine Partnerin nicht mehr oral zu befriedigen: Michaels Douglas’ Vermutung, seine Krebserkrankung im Hals könnte durch Oralsex ausgelöst worden sein, sorgt jedenfalls für großes Aufsehen. Obwohl der Schauspieler und sein Pressesprecher mittlerweile zurückrudern und dies nur als eine von vielen Ansteckungsmöglichkeiten sehen, ist eine Diskussion losgetreten worden, die einen Großteil der Menschen erstmals mit einer besonderen Art der sexuell übertragbaren Krankheit konfrontiert.

Der HP-Virus

Auch wenn das Risiko, durch Cunnilingus an Rachenkrebs zu erkranken ausgesprochen gering ist, die Möglichkeit besteht wirklich. Verantwortlich ist das Humane Papillomavirus (HP-Virus). Durch Oralverkehr können die Viren übertragen werden und zu einer Krebserkrankung im Rachen- aber auch Scheiden-, Anal- und Gebärmutterhalsraum auslösen. „Kann“, wohlgemerkt, denn die wenigsten der HP-Viren-Typen sind gefährlich.

Verbreitet sind die Viren trotzdem. Man geht davon aus, dass 80 Prozent der sexuell aktiven Menschen sich im Verlauf ihres  Lebens mit den HP-Viren anstecken. Die meisten Infektionen verlaufen harmlos und ohne Symptome. Kontrolluntersuchungen beim Frauenarzt sind für Frauen trotzdem generell anzuraten.

Übertragung durch Oralsex

Wie bei allen sexuell übertragbaren Krankheiten, sind Menschen, die viele Sexualpartner haben, stärker gefährdet. Trotzdem ist der Cunnilingus keine besonders riskante Technik. Der HP-Virus kann auch bei der Penetration übertragen werden, wobei das Risiko durch die Nutzung von Kondomen minimiert wird, was natürlich auch für andere sexuell übertragbare Krankheiten gilt. Auch für Oralsex, speziell für den Cunnilingus und Anilingus gibt es entsprechenden Schutz: „Oraltücher“ bzw. „Dental Dams“– dünne Latextücher mit Geschmack, die auf Vagina oder After gelegt werden – verhindern den direkten Kontakt zwischen Zunge und Genitalbereich. Durchgesetzt haben sich diese Tücher bisher kaum.

Übrigens: Kinder können gegen den HP-Virus geimpft werden. Die Impfung muss allerdings vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen, um wirksam zu sein.

Andere Auslöser von Rachenkrebs

Warum Michael Douglas denkt, dass gerade seine Zungenfertigkeit für den Rachenkrebs verantwortlich war, ist bei seinem starken Zigaretten- und Alkoholkonsum vergangener Tage zumindest fraglich. Im Vergleich zu diesen Giften spielt der HP-Virus nämlich eine verschwindend geringe Rolle als Übeltäter. Immerhin: Der Hollywood-Star hat mit seinen Äußerungen zur Aufklärung über Risiken beim Oralsex beigetragen. Dafür gebührt ihm Dank. Auch wenn viele Frauen, deren Männer plötzlich einen Bogen um ihren Schoß machen, das sicher ganz anders sehen…