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Schamhaarfrisuren – Die Trends der Jahrhunderte

Geht es um den Look zwischen den Beinen, wird meist die Pornobranche als Trendsetter ins Spiel gebracht. Nach einem guten Jahrzehnt des Kahlschlags lassen nun einzelne Darstellerinnen wieder die Haare sprießen. Geht der Intim-Look zurück zur Natur? Ein Überblick über die Mode in der Hose soll Aufklärung bringen!

Seit Ende der 80er erste Darstellerinnen anfingen, dem 70er-Pelz mit dem Rasierer zuleibe zu rücken und das Ergebnis via VHS in jedem Wohnzimmer zu sehen war, zogen viele Frauen  (oft durch „Impulse“ männlicher Zuschauer) nach. Wurden sie erst in der Sauna oder am FKK-Strand bestaunt, hat sich der Nacktlook mittlerweile etabliert. Jetzt rudern einzelne Erotik-Darstellerinnen zurück und suchen Individualität durch Wildwuchs (oftmals gepaart mit dem Verzicht auf Tattoos und Piercings). Ein neuer Trend?

Glaubt man Bestsellerautorin Charlotte Roche oder Alternativ-Pornodarstellerinnen wie Stoya oder Sasha Grey, ist der „Mädchenlook“ zwischen den Beinen überholt. Anderseits schießen auch in Deutschland die Brazilian Waxing Studios wie Pilze aus dem Boden und der Begriff „Hollywood Cut“ ist auch jüngsten Frauen bekannt. Auch ein Blick auf die Geschichte der Schamhaarfrisur zeigt: Sie ist weit entfernt davon, ein kurzlebiger Trend zu sein!

Die Geschichte der Schamhaarentfernung geht bis ins Altertum zurück. In verschiedenen Kulturen war es üblich, sich die Behaarung im Schambereich zu entfernen.

Schon in den frühen Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten war die Entfernung von Körperhaaren bekannt. Vor 4000 bis 3000 v. Chr. wurden Haarentfernungsmittel aus Harzen, Pflanzenextrakten, Eselsfett, Fledermausblut und Pech verwendet. Auch geschliffene Steine und Muscheln wurden zur Haarentfernung verwendet.

Im alten Ägypten gehörte ein haarloser Körper zum Schönheitsideal. Frauen entfernten sich die Augenbrauen sowie die Körperbehaarung einschließlich der Schamhaare. Neben der Ästhetik spielte damals auch die Hygiene eine entscheidende Rolle. Ohne Körperbehaarung war es für Parasiten wie Läuse oder Milben schwieriger, sich festzusetzen, so dass die Verbreitung von Krankheiten eingedämmt wurde.

Im antiken Griechenland wurde die Schambehaarung mittels Epilation entfernt. Auch einige antike griechische Vasenmalereien zeigen nackte, bis auf das Haupthaar völlig unbehaarte Menschen. Aufzeichnungen aus der Zeit um 590 v. Chr. belegen, dass Freudenmädchen geschminkt und an der Scham epiliert waren. Einigen Quellen zufolge soll bei Männern während der klassischen Epoche eine ausgeprägte Abscheu gegenüber Schamhaaren bei Frauen vorgeherrscht haben, mit der Folge, dass diese sich die Schambehaarung durchweg vollständig entfernten.

Die im großen Stil angelegten Badeanlagen im antiken Rom waren Zentren der Körperpflege. Einige Römer entfernten sich Bein- und Achselbehaarung, sowie Barthaare und es gab römische Frauen, die sich ihre Augenbrauen mit Pinzetten auszupften. Teilweise wurde auch die Schambehaarung epiliert. Viele Prostituierte im Römischen Reich entfernten ihre Schambehaarung. Der hygienische Aspekt wurde auch im Altertum von Ärzten beschrieben. Über die Verbreitung bei Bürgerinnen ist wenig bekannt. Durch die Eroberungen des antiken Rom gelangte die römische Bade- und Körperkultur in weite Teile Europas, Nordafrikas und den Orient.

In der hochmittelalterlichen Buchmalerei sind unbekleidete Männer und Frauen regelmäßig ohne Körperbehaarung dargestellt. Ob und in welchem Ausmaß deren Entfernung üblich war, lässt sich daraus nicht schließen. Eine Reliefdarstellung aus dem 12. Jahrhundert, die eine Frau beim Schneiden der Schambehaarung mit einer Schere darstellt, zeigt jedoch, dass die Praxis der Schamhaarentfernung zumindest bekannt war.

Der sich seit dem Mittelalter ausbreitende Islam schreibt seinen Anhängern Sauberkeit und Körperpflege vor. Die Entfernung der Schamhaare gehört entsprechend der Fitra zur „natürlichen Veranlagung des Menschen“, womit die gottgewollten Veränderungen am menschlichen Körper gemeint sind. Muslime (Männer und Frauen) müssen sich nach den islamischen Reinlichkeitsregeln alle 40 Tage enthaaren. Frauen tun dieses aber in der Regel häufiger. Üblich ist die monatliche Enthaarung unmittelbar nach der Menstruation.

Im trockenen Wüstenklima, wo Wasser zu kostbar zum Waschen ist, ist eine stark reduzierte Schambehaarung von Vorteil. Auch wenn ursprünglich hygienische Gründe die Ursache für diese religiöse Reinlichkeitsregel waren, so entwickelte sich daraus auch ein Schönheitsideal, das in den islamischen Ländern, speziell im arabischen Raum und im osmanischen Reich beziehungsweise der heutigen Türkei verbreitet ist.

In vielen indigenen Völkern ist die Entfernung der Körper- bzw. Schambehaarung eine verbreitete kulturelle Tradition. In der Hochkultur der Azteken entfernten sich Frauen und Männer generell die komplette Körperbehaarung mit metallenen Pinzetten (Priester verwendeten goldene); die Schädel wurden kahlgeschoren.

Bei vielen afrikanischen Ethnien ist die Haarentfernung üblich, auch in der Genitalregion. Oftmals werden die Haare durch Auszupfen epiliert. Bei den Nuba in Afrika ist die Entfernung der Schambehaarung bei beiden Geschlechtern verbreitet.

In Teilen Südamerikas werden die weiblichen Schamlippen als vertikales Lächeln der Frauen bezeichnet, das nicht durch die Schambehaarung versteckt werden soll. Schamhaare werden hingegen als animalisch betrachtet.

Der Trend zu immer weniger Schamhaar, bis hin zu dessen vollständiger Entfernung, lässt sich im Verlauf gut an Aktfotografien und erotischen Fotografien der letzten Jahrzehnte nachvollziehen.  Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Entfernung der Schambehaarung wenig verbreitet. In den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, die vom Einfluss der Hippie-Bewegung und deren Hang zur Natürlichkeit geprägt waren, wurde Körperbehaarung generell wieder aufgewertet, üppige Schambehaarung war normal. Erst in den 90er Jahren setzte eine gegenläufige Entwicklung, hin zu weniger Schamhaaren, ein. Brazilian Waxing wurde 1994 in den USA eingeführt und Ende der 90er Jahre durch Medienberichte bekannt. Im September des Jahres 2001 veröffentlichte der Playboy mit Photos von Dalene Kurtis erstmalig ein Playmate mit vollständig haarlosem Intimbereich, dessen Darstellung dort mittlerweile Normalität ist.

Generell lässt sich sagen, dass eine zunehmende Akzeptanz für die öffentliche Zurschaustellung bestimmter Körperbereiche bei Frauen eine Enthaarung dieser Bereiche nach sich zog. Dies gilt für Achseln und Beine genauso wie für den Genitalbereich. Knapper werdende Badebekleidung sowie die starke Präsenz von Nacktheit in den Medien tragen ihren Teil dazu bei, dass sich das ästhetische Empfinden auch für diesen Bereich verändert und Haare als störend empfunden werden.

Bei beiden Geschlechtern hat die Entfernung der Schambehaarung in den letzten Jahren eine gewisse Verbreitung gefunden. Während noch bis in die 1990er Jahre hinein Schamhaare als normal hingenommen wurden, stellt der enthaarte weibliche Intimbereich nach zwei in Australien durchgeführten Studien heute weitgehend eine soziale Normalität dar und wird vom Sexualpartner, insbesondere bei Frauen, vielfach erwartet.

Eine Studie unter Studenten der Uni Leipzig ergab 2008, dass sich 88 % der weiblichen Befragten und 67 % der männlichen Befragten (Durchschnittsalter 23 Jahre) regelmäßig Schambehaarung entfernen. Eine im Juli 2009 vorgestellte repräsentativere Studie derselben Forschungsgruppe mit 2512 Teilnehmern, die diesmal nicht nur Studierende umfasste, ergab folgendes Bild: in der Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren entfernen 81,6 % der Frauen und 32,4 % der Männer Körperhaar, 55,2 % respektive 22,6 % der Befragten entfernen Schamhaare; in der Altersgruppe ab 31 Jahren sinken diese Werte stark.

Infolge zunehmender medialer Präsenz von Nacktheit setzte sich, dem Trend zur Enthaarung von Beinen und Achseln folgend, die Schamhaarentfernung ab den 1990ern in den USA und Europa durch. Auch das Bekenntnis zahlreicher prominenter Frauen, im Genitalbereich haarlos zu sein, trug seinen Teil zur Popularität bei, so dass der Begriff „Hollywood Style“ für den Kahlschlag zwischen den Beinen geboren wurde. Lindsay Lohan oder Britney Spears demonstrierten ihren Hollywood-Style sogar vor begeisterten Paparazzi.

Tatsache ist: Seit den 70er Jahren hat sich also einiges getan in der Unterwäsche der weiblichen Bevölkerung. Immer öfter wird dem natürlichen Haarwuchs mit dem Rasierer (oder Wachs, Laser, etc.) zu Leibe gerückt, immer mehr Frauen machen sich mittlerweile nicht mehr nur Gedanken um die Kopfbehaarung, sondern auch um die Attraktivität der Genitalregion.

Doch auf viele Trends folgt eine Rebellion gegen diesen: Das Modellabel American Apparel zeigte Models deren dichtes Schamhaar durch die Unterwäsche deutlich sichtbar war und bediente sich dabei dem beliebten Porno- und Filmstar Sasha Grey, die bekannt für ihren lediglich gestutzten Naturbewuchs ist. Und auch US-Porno-Star und Ex-Marilyn Manson Freundin Stoya zeigt heute – nach anfänglicher Kahlrasur – Mut zum Busch. Die Industrie allerdings glaubt: Wer sich als junge Frau den Intimbereich rasiert hat, wird das auch weiterhin tun und Hersteller Gillette setzt nun sogar auf Lehrvideos zum Thema „Körperrasur“ bei Männern. Die Zielgruppe soll schließlich erzogen werden. Doch am Ende zählt das, was gefällt, egal, ob glatt, kurz oder lang.