Selbstbefriedigung macht Spaß und ist gesund. Wenn sie nicht zum Zwang wird.

Onanieren – Der Sex der Zukunft?

Onanieren ist gut für die Prostata, beugt Krebs vor und hält auch im hohen Alter den Mann in Saft und Kraft. Wer öfter kommt, kommt länger, so die Wissenschaft. Doch immer häufiger hört man davon, dass mehr und mehr Männer sich ganz aufs Onanieren verlegen und dem gemeinsamen Vergnügen keine Zeit mehr einräumen. Ein kurzer Kick fürs persönliche Glück. Eine schnelle Suche bei google offenbart die Tragweite des Problems. Hunderte Forenbeiträge besorgter Mädchen und Frauen widmen sich dem Thema: „Mein Freund macht es sich lieber selbst, als mit mir zu schlafen“. Handelt es sich um Onaniersucht? Oder ist doch ein gesellschaftliches Problem der Grund?

Sozialforscher und Sexualexperten haben erkannt, dass sie mit der Gesellschaft auch unsere Sexualität ändert. Es gibt immer mehr Singles in Deutschland, immer weniger Ehen und Kinder, immer kürzere Bindungen. Gleichzeitig nimmt der Stress im Beruf zu, die Sorge um Geld und Arbeitsplatz belastet viele Menschen. Zahlreiche persönliche Gespräche und Internet-Beiträge haben gezeigt: Wer viel onaniert tut das seltener, weil er keinen Spaß am Sex hat, sondern oft eher weil es einfach „unkomplizierter“ ist.

„Masturbation ist Sex mit jemandem, den man liebt“, sagte Woody Allen und hatte damit mehr recht, als man denkt. Denn immer mehr Menschen sehen eine Beziehung nicht mehr als ein gemeinsames Erleben, sondern als etwas, aus dem man selbst das Positive ziehen muss. Gibt es Ärger, sucht man sich eben eine neue Liebe. Ähnlich verhält es sich für viele mit der Masturbation. Warum eine Stunde im Bett herumturnen und die Frau auf alle erdenkliche Weise befriedigen (was nicht immer leicht sein muss), wenn man dank Porno oder Internet perfekt ein bisschen Selbstliebe betreiben kann. Ein schnelles Bier nach Feierabend, dann ein schneller Orgasmus, danach ins Bett. Immerhin: Meist liegt es nicht an der Partnerin, sondern einfach am egoistischen Denken und Empfinden des Mannes. Doch unbefriedigend – im wahrsten Sinne des Wortes – ist diese Situation für Frauen allemal.

Auch die Männer selbst bemerken irgendwann, dass ihnen jede Lust auf echten Sex abhanden gekommen ist und nur noch die schnelle Triebbefriedung zählt. Statt realem Sex wird man(n) zum Zuschauer der Fantasieprodukte auf DVD oder im Internet.

Gesundheitlich ist das Thema noch kaum behandelt, denn es gibt keine Studien darüber, wann Onanie schädlich sein könnte. Der eine macht es alle zwei Wochen, der andere zehn Mal am Tag. Psychologisch wird es dann als Problem gesehen, wenn die Selbstbefriedigung zu einer Zwangshandlung wird. Dann, wenn eine Entspannung ohne Handentspannung unmöglich ist, wenn auf Stresssituationen die Masturbation folgen muss, wenn Masturbation ohne Rücksicht auf Zuschauer betrieben wird, wenn der Besuch in der Pornokabine oder für DVD-Kauf und Internet-Porno einen großen Teil des Einkommens verschlingt, oder dann, wenn echter Sex komplett uninteressant wird. Hier helfen Selbsthilfegruppen, die immer stärken Zulauf erfahren.

Wer aber zehn Mal am Tag Autoerotik betreibt, sich dabei gut fühlt und auch seiner Partnerin noch die nötige sexuelle und emotionale Aufmerksamkeit widmet, braucht sich keine Sorgen zu machen!

Weitere Infos:

Das Wort „Onanie“ stammt von der biblischen Gestalt Onan, deren Geschichte in der Genesis (Kapitel 38) erzählt wird. Onan zieht es vor, seinen Samen „auf die Erde fallen“, anstatt die Frau seinen verstorbenen Bruders zu schwängern. Gott bestrafte Onan mit dem Tode.

Statistisch betrachtet masturbieren mehr Männer (ca. 94 %) als Frauen (ca. 60 bis 80 %) und sie tun dies laut Umfragen auch häufiger.

Männer nutzen selten Hilfsmittel, sondern stimulieren sich meist mit den Händen.

Seit dem späten Mittelalter wurde die Onanie verteufelt: Neben gesundheitlichen Gefahren wurden auch moralische Argumente gegen die Masturbation vorgebracht: sie sei egoistisch, verleite zur Disziplinlosigkeit und stelle ein „nutzloses Vergnügen“ dar. Die Masturbation fördere die Abkapselung des Masturbators von der Gesellschaft, da er zu seiner sexuellen Befriedigung keinen Partner benötigt.

Heute gibt es allenfalls in streng religiösen Familien und Gegenden noch Vorbehalten gegen die Onanie.