Die Moral von der Geschicht: gibt es beim Sex (eigentlich) nicht!

Die Moral von der Geschicht: gibt es beim Sex (eigentlich) nicht!

„Das ist ja pervers“, behaupten unzählige Menschen, wenn es um alternative Konzepte für Beziehungen und Sexualität geht. Viele finden Promiskuität generell unmoralisch oder halten Homosexualität für eine Krankheit. Für einen Großteil der Bevölkerung muss das Leben in monogamen, heterosexuellen Beziehungen stattfinden, oder es sollte wenigstens den Anschein haben. Wer öffentlich zu Partnertausch, offenen Beziehungen oder auch nur vielen verschiedenen Sexpartnern steht, wird oft schief angesehen, Schwule und Lesben in vielen Teilen Deutschlands oder der Welt diskriminiert oder sogar verfolgt. Doch wie definiert sich dieses oft geforderte „moralisches Verhalten“ überhaupt? Und viel wichtiger: WER definiert, was moralisch oder unmoralisch ist?

Das Wort „Moral“ geht zurück auf das das lateinische „die Sitte betreffend“, also schon von Grund auf her ein Begriff, der – genau wie das philosophische „Ethos“ – sehr subjektiv ausgelegt werden kann. Fakt ist: Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen, und seine Gewohnheiten, Wünsche, Hoffnungen und Ängste sind immer von der sozialen Gruppe mitgeprägt, in die er hineingeboren ist. Die Gruppe bestimmt Konventionen und Regeln. Das gilt auch für seine sexuellen Einstellungen und Verhaltensweisen. Menschen werden mit der grundsätzlichen Fähigkeit zu sexuellem Ausdruck geboren, aber dieser Ausdruck kann sehr verschiedene Formen annehmen. In einer hedonistischen und toleranten Gesellschaft können sich die Menschen glücklich und sinnenfroh entfalten. In einer puritanischen und repressiven Gesellschaft neigen sie eher dazu, ängstlich und gehemmt zu sein. Im ersteren Fall gilt Sexualität als Quelle der Freude, im zweiten Fall wird sie als Schande missbilligt und verdrängt. In den meisten Gesellschaften offenbart sich der Bedeutungsgehalt der Sexualität – wie der vieler anderer Dinge – in der Religion. Dies war zumindest bei den Gesellschaften der Vergangenheit immer der Fall. Aber selbst in modernen, „glaubenslosen“ Gesellschaften sind die sexuellen Normen oft noch alten religiösen Lehren verhaftet.

Doch was sind wir Deutschen? Eher eine tolerante oder doch eine repressive Gesellschaft? Sicher ist auch dies von Ort zu Ort unterschiedlich. Was im katholisch geprägten, niederbayrischen Schönau für einen Skandal sorgen würde, juckt im offenen Hamburg oder Leipzig niemanden… Manche Völker, die bis die Missionare kamen, nie mit dem Christentum in Kontakt kamen, praktizierten vor Jahrhunderten öffentlichen gemeinsamen Sex, und bekannterweise war bei den Griechen Homosexualität an der Tagesordnung, und kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, sie deswegen als pervers zu bezeichnen.

Wenn es um sexuelle Normen geht, gibt es also keine Allgemeingültigkeit oder Beständigkeit. Im Gegenteil: vergleicht man sie kulturell, erscheinen sie eher ganz unbeständig und wandelbar, in stetiger Veränderung. Die Mitglieder der jeweiligen Gesellschaft mögen sie für vernünftig oder unveränderlich halten, Außenseitern hingegen erscheinen sie oftmals absurd oder unverständlich. Insgesamt ist also in sexuellen Dingen das, was die Menschen als „natürlich“ oder „moralisch“ bezeichnen, oftmals nicht mehr als Konvention.

Und die Moral von der Geschicht? Eine allgemeingültige Moral für alle gibt es nicht!