Der Penis ist Gott

Der Penis ist Gott

 

Darstellungen von erigierten Penissen sind heutzutage absolut tabu. Sie fallen unter das FSK 18-Gesetz und finden nur in Pornos ein potentes Portal. Das war nicht immer so. Vor langer Zeit waren die Menschen lange nicht so prüde wie heute. Das steife Glied des Mannes wurde aufs Höchste verehrt und gerne gezeigt.

Die Darstellung von erigierten Penissen ist heutzutage äußerst verpönt. Zwar prahlen manche Männer mit der Größe ihres besten Stücks, allerdings meist vor dem sicheren Hintergrund, dies im Alltag nicht beweisen zu müssen. In den Medien werden immer öfter nackte Männer dargestellt, der Penis ist jedoch – aus ästhetischen Gründen, wie es heißt – stets verdeckt.
Erigierte Schwänze sind absolut tabu, sie fallen unter das FSK 18-Gesetz und finden nur in Pornos ein potentes Portal. Wegen derartiger Auflagen spielt die Fantasie bei Kreativen umso heftiger. Objekte mit ähnlicher Form stehen stellvertretend für den Penis. Seine Entsprechung findet er beispielsweise als Rakete, Schußwaffe, Springbrunnen-Fontäne, Baseballschläger, Joystick oder als Zigarre.
Das war nicht immer so. Vor langer Zeit waren die Menschen lange nicht so prüde wie heute. Das steife Glied des Mannes wurde aufs Höchste verehrt und – auf unterschiedlichste Weise – gerne gezeigt. In fast allen Kulturkreisen stand der Phallus als Symbol für Fruchtbarkeit, Kraft und als Schutz vor möglichem Unheil.

Früheste Zeugen des Kultes sind Skulpturen und Darstellungen aus prähistorischer Zeit. Deutlicher Beweis der „Lattenverehrung“ ist etwa die Felszeichnung des „Hexenmeisters“, die man in der französischen Höhle „Les Trois Frères“ entdeckte. Das Motiv: Ein Mann mit Tiermaske vor dem Gesicht und einem besonders kräftigen Exemplar von Penis. Besonders bekannt geworden ist der in der englischen Grafschaft Dorchester gefundene „Riese von Cerne Abbas“, eine Naturzeichnung, die einen über hundert Meter großer Mann mit einer Keule in der rechten Hand und einem erigierten Penis zeigt. Das Bild wurde unter größtem Aufwand in den Boden einer abschüssigen Wiesenfläche gekerbt.

Aber es gab nicht nur Kunstwerke, die den „Ständer“ zum Zentrum der Welt machten. Auch im Alltag und bei Festivitäten drückte man seine Verehrung aus. Mittel- und Nordamerikanische Indianer etwa, sollen mit Masken und künstlichen Penis über Felder gelaufen sein, während sie einen Samenerguss vortäuschten, um so eine reiche Ernte zu erzielen.

In der Antike war es Dionysos, der Sohn von Zeus, der als Gott des Weines und der rauschenden Feste und Orgien über Jahrzehnte hinweg gefeiert wurde. Zu seinen Ehren trug man riesige Phallus-Nachbildungen durch die Straßen. Halbnackte Männer sangen dazu passend versaute Lieder und tanzten den „Phallus“. (D.h. sie tanzten mit eindeutigen, phallusorientierten, Bewegungen). Auf der Loveparade wären sie wahrscheinlich kaum weiter aufgefallen. Nach dem Umzug berauschten sich die Feierfreudigen und gaben sich – soweit es ihnen in ihrem Zustand noch möglich war – ihren sexuellen Gelüsten hin.

In Indien hingegen galt der Phallus selbst sogar als eigenständige Gottheit, sowie auch als Symbol Shivas, dem höchsten Gott Indiens, verehrt (hier unter dem Namen „Linga“ oder „Lingam“ bekannt). Frauen küßten die in den Tempeln zahlreich prangenden, männlichen Geschlechtsteile, um auf diese Weise fruchtbar zu werden und viele Kinder zu gebären. Mancherorts küßten Frauen sogar den Penis nackter Wanderprediger, wobei diese während der erotischen Aktion keine Miene verziehen durften.

Junge Römerinnen verloren ihre Unschuld an einer Priapus-Statue
In Ägypten war der Kult um den Phallus mit dem Götterpaar Isis und Osiris verbunden. Als Osiris ermordet wurde, fehlte ihm sein bestes Stück. Isis ließ, nach vergeblicher Suche unter den Leichenteilen, einen Penis aus Holz anfertigen und legte ihm den nachgebildeten Phallus ins Grab. So mußte er im Jenseits nicht ohne seine Manneskraft auskommen.

In Rom galt die Verehrung dem Gott Priapus. Immer wurde er mit einem großen, horizontal in die Höhe gerichteten Glied abgebildet. Statuen von ihm fand man fast überall – in Gärten, auf öffentlichen Plätzen und Brücken und in fast allen Privathäusern. Junge, frisch verheiratete Römerinnen mußten sich dem Brauch zufolge auf eine Priapus-Statue setzen und dem Gott ihre Jungfernschaft opfern. Noch heute nennt man eine krankhafte, über lange Zeit andauernde Versteifung des Penis „Priapismus“. Ansonsten ist von dem Kult kaum etwas übrig geblieben.

Foto: Steve Jurvetson