Statuen; Die ersten erotischen Darstellungen von Frauen in der Kunst.

Erotische Kunst

Kann Kunst erotisch sein? Kann Erotik Kunst sein? Die FSK sagt meist nein, und auch in den USA wird Gewalt in Film und Literatur eher akzeptiert, als Sex. Dabei hat nicht nur die Liebe, sondern auch die Lust seit Jahrhunderten ihren Platz in der Kunst. Eine kleine Zeitreise:

Vor ca. 40.000 Jahren: Der Mensch war Jäger und Sammler und lebte in Höhlen. Gemalt wurden häufig Tiere, denn man glaubte, durch deren Darstellung die Jagd beeinflussen zu können. Doch auch der Mensch musste sich vermehren, um das Überleben der Art zu sichern. Erste Künstler schufen daher Gegenstände, die einen magischen Einfluss auf die menschliche Fruchtbarkeit ausüben sollten. Die bekanntesten: Die Venus von Willensdorf oder die Schnitzerei der Venus von Laussel. Sie betonen sexuelle Charakteristika, wie Oberschenkel oder Brüste. Deren Üppigkeit galt als wichtig für das Überleben.

Die Kunst der Griechen und Römer ist besonders reich an Werken mit stark erotischem Inhalt. Oft wird der Gott Priapos gezeigt (von dessen Namen sich der „Priapismus“ – der Dauerständer ableitet), der immer mit erigiertem Penis abgebildet wird. Bei den Griechen stand Dionysos – der Gott des Weines – im Vordergrund, der mit seinen ständigen Begleitern, den Satyrn, heiße Feste feierte, Ausschweifungen zelebrierte und immer wieder so in der Kunst verewigt wurde. Später, im 4. Jahrhundert v. Chr., beschäftigte dagegen die Göttin Aphrodite stand am Anfang einer langen Reihe von nackten Frauenfiguren. Doch auch der Gott Pan wurde immer wieder gezeigt, beispielsweise in einem ersten pornografischen Kunstwerk, einer Skulptur aus Herkulaneum, die ihn beim Geschlechtsverkehr mit einer Ziege zeigt.

Im Mittelalter galt die erotische Ausstrahlung des nackten Körpers als sündig und wurde daher oft als Gegengewicht zu sakralen Themen eingesetzt, beispielsweise in dem ihr sündiges Verhalten gezeigt und ihre Strafe gezeigt wurde. Bei Freskos „Das jüngste Gericht“ wurden nackte Sünder an dem Körperteil aufgehängt, mit dem sie gesündigt hatten.

Falls die sakralen Texte keine Gelegenheit zur erotischen Darstellung boten, erfand man eben Gründe dafür, schließlich waren die nackten Darstellungen ziemlich beliebt. In der „Bible Moralisée“ warnte ein nacktes Paar beispielsweise vor der Trunkenheit.

Die erotische Darstellung findet ihren Höhepunkt gegen Ende des Mittelalters. Besonders der Künstler Hieronymus Bosch tat sich mit Darstellung von Nacktheit hervor, wie auf seinem bekannten Werk „Der Garten der Lüste“ zu sehen. Da pflückt sogar ein nackter Mann Blumen aus dem Arsch seiner Partnerin und überall vergnügen sich nackte Menschen. Auch die „Geburt der  Venus“ von Sandro Boticelli (um 1485) gilt als Klassiker der erotischen Kunst. Aber auch ein Großmeister der Hochrenaissance, Michelangelo, verzichtete nicht auf erotische Untertöne. Sogar in der sixtinischen Kapelle zeigte er die Begegnung mit der Sexualität, als er im Bild „Noahs Trunkenheit“ dessen entblößten Schwanz malte. Auch in „Venus und Cupido“ oder „Leda“ findet man dieser erotischen Themen…

Keineswegs sollte man aber übersehen, dass das Abbilden des nackten Menschen strikten Regeln unterworfen war, dass z. B. die Wiedergabe des Geschlechtes, vor allem des weiblichen, bis weit ins 19. Jahrhundert mehr oder weniger tabu war. Lange Zeit war es eher möglich, in den Kunstakademien antike Statuen zu zeichnen als wirkliche Aktmodelle. Ein Maler allerdings, der die Andeutung erotischer Empfindungen zum zentralen Thema seiner Werke werden ließ, war Rubens (17. Jhd.), auf den das beliebte Wort „Rubensdame“ zurückgeht. Die von ihm dargstellten Damen ließen den Betrachter eine intensive Leidenschaft spüren, da sie dem Genuss so zugetan waren, was sich durch dralle Formen und zügellose Nacktheit ausdrückte.

Einen Skandal löste Courbet 1866 mit seiner detaillierten Darstellung eines weiblichen Schoßes („Der Ursprung der Welt“) oder, in „Der Schlaf“, von zwei Frauen, die sich nackt im Bett vergnügen, aus.

Das ebenso genaue wie schonungslose Abbilden des menschlichen Körpers beginnt erst im späten 19. Jahrhundert und geht einher mit der Entwicklung der Fotografie. Erst die scheinbare Exaktheit der Fotografie macht es zum Beispiel den Malern möglich, Schamhaar darzustellen.

Kurze Zeit, nachdem es möglich geworden war, Nacktheit nicht überhöht, sondern weitgehend genau darzustellen, hat die Kunst das genaue Naturvorbild wieder verlassen. Picassos „Demoiselles d’Avignon“ von 1907 markieren einen Wendepunkt der Aktdarstellung. Der Einfluss außereuropäischer Kunst, die Entdeckung des Unbewussten durch die Psychoanalyse, der Eigenwert von Farbe und Gestus gegenüber dem darzustellenden Thema,  und nicht zuletzt die rasante Entwicklung fotografischer Techniken machten das Bemühen um Naturgenauigkeit in der Kunst überflüssig. Heute sind Künstler nicht mehr von dem Bemühen um die Darstellung einer idealen Vollkommenheit der Schöpfung geleitet; Aktdarstellung heute, soweit sie noch ein Thema der Kunst ist, will eher die unsichtbaren Aspekte des Menschen verbildlichen. Themen wie Feminismus oder Homosexualität werden in der Kunst aufgegriffen, die erotische Darstellung soll oft weniger animierend, denn politisch wirken. Hier findet häufig der Unterschied zur erotischen Fotografie statt, die den Betrachter sexuell stimulieren und erregen soll.

Wer mehr wissen möchte, findet dazu im Internet zahlreiche Websites oder kann versuchen das Buch „Erotik in der Kunst“ (Edward Lucie-Smith) zu ergattern.