Zum Anziehen und Drüberziehen!

Latex – Ein besonderer Stoff

Der frisch gezapfte Gummi“saft“ wird auch als „Latexmilch“ bezeichnet, und wie Milch muss er haltbar gemacht werden.

Die Flüssigvariante heißt zentrifugiertes Latex, zur Haltbarmachung wird Ammoniak eingesetzt. Dies ist der Ausgangsstoff für alle Tauchprodukte (Ballblasen, Luftballons, Kondome, Haushaltshandschuhe …).

Für die festen Rohstoffe wird die Latexmilch mit Säure koaguliert (wie Joghurt), danach wird das Wasser ausgepresst und die Rohmasse an der Luft oder mit Hitzezufuhr getrocknet, gegebenenfalls auch mit Rauch haltbar gemacht. Diese Zwischenstufen heißen u.a. Pale Light Crepe (PLC – hellblasser Krepp) und Ribbed Smoked Sheet (RSS – gerippte geräucherte Stücke), und es gibt sie jeweils in verschiedenen Qualitätsstufen. Für einen Sneaker z.B. nimmt man RSS für die dunklen Sohlenteile, PLC für die weißen Gummiteile und zentrifugierten Latex als Klebstoff.

Die Geschichte des Kautschuks

Es gibt Hunderte von Pflanzen, die „gummiähnliche“ Säfte abscheiden (z.B. der Löwenzahn). Seit über 100 Jahren ist jedoch nur noch der Saft des Baumes Hevea Brasiliensis relevant (der eigentliche Gummibaum, nicht zu verwechseln mit der Zimmerpflanze gleichen Namens: Ficus Elastica), der aus dem Amazonasurwald stammt, wo die ursprünglichen Einwohner schon vor Jahrhunderten um die elastischen und wasserdichten Eigenschaften des Rindensaftes wussten.

‚Relevant‘ wurde Gummi erst durch die 1840 erfundene Vulkanisierung, die den Gummi haltbar macht (kein Kleben und Schmelzen mehr). 1876 gelang es Großbritannien, auf fragwürdiger legaler Basis mehrere Zehntausend Samen aus dem Amazonas zu ‚beschaffen‘, welche die Basis für die Plantagen in Süd- und Südostasien bilden, welche heute die Produktion natürlichen Kautschuks dominieren. Thailand, Indonesien, Malaysia und Indien sind die vier wichtigsten Lieferländer.

1913/14 ‚überholte‘ Plantagengummi erstmals volumenmäßig den im Urwald gezapften. Hauptabnehmer war von Anfang an die Autoindustrie: 1900 gab es weltweit eine Million Autos, wobei zuvor ca. 7 Millionen Fahrräder den ersten Nachfrageschub lieferten.

Durch die Weltkriege (Gasmasken u.a.) wurde der Bedarf größer und die Liefersicherheit in Frage gestellt, was zu verstärkten Forschungsanstrengungen nach künstlichen Ersatzstoffen führte: Ende der 50er Jahre ‚überholte‘ synthetischer Gummi den natürlichen auch bezogen auf das Handelsvolumen. Heute sind rund 60% dessen, was landläufig als ‚Gummi‘ bezeichnet wird, solche auf Petroleumbasis erzeugte synthetische Gummis, die zum Teil aus Preis-, zum Teil aus Qualitätsgründen natürlichen Kautschuk verdrängen. Bei bestimmten Premium-Produkten, von der Wärmflasche bis zum Reifen der Jumbo-Jets, gibt es jedoch weiterhin keinen Ersatz für natürlichen Kautschuk.

Weniger bekannt sind die Grausamkeiten, ohne die eine Ausweitung des Handels nicht möglich gewesen wäre: Einheimische im Kongo und im Amazonas wurden zum Gummizapfen gezwungen, bei Nichteinhaltung willkürlicher Zapfnormen verstümmelt, bei Weigerung umgebracht. Man schätzt, dass im Kongo für jede 5 kg Gummis ein Mensch sein Leben lassen musste (anders ausgedrückt: vier Menschenleben für die Reifen eines Model-T). Im Amazonas wurden mindestens 30.000 Menschen wegen des Gummiwahns getötet.

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von www.fairrubber.org