Fair gehandelte und vegane Kondome - Was heisst das genau?

Fair gehandelte und vegane Kondome – Was heisst das genau?

Der World Vegan Day am 1. November ist ein jährlich gefeierter Event der Veganer auf der ganzen Welt. Allgemein achten Konsumenten zunehmend auf die verwendeten Inhaltsstoffe von Produkten und unter welchen Bedingungen diese gewonnen bzw. verarbeitet werden. Doch trifft das lange noch nicht auf alle Bereiche des täglichen Lebens zu – so zum Beispiel in Sachen Sexualität!

Hand aufs Herz, der Gedanke an tierische Inhaltsstoffe in Produkten sowie inhumane Tierhaltung oder schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen anderer Menschen zur Gewinnung von Rohstoffen ist für die Libido nicht gerade förderlich. Klar, man könnte sagen, glücklich ist der Unwissende, denn viele Konsumenten sind sich der Tatsache gar nicht bewusst, was genau sie sich zum Beispiel bei der Verwendung eines Kondoms eigentlich überziehen und unter welchen Umständen es hergestellt wurde. Doch was wäre, wenn Sie es wüssten?

Kautschukbaums (Hevea brasiliensis), Rinde angeritzt, so dass der Milchsaft Latex herausfliesst

Woraus werden Kondome hergestellt?

Kondome werden aus Naturkautschuk hergestellt. Dieser wird aus dem Saft des Kautschukbaums (Hevea brasiliensis) gewonnen. Dabei wird die Rinde von Gummizapfern angeritzt, so dass der Milchsaft Latex aus dem Baum fliessen kann. Je nach Anwendung wird dieser auf verschiedene Arten weiterverarbeitet. Die Produktion von natürlichem Kautschuk ist jedoch mancherorts mit teilweise gravierenden ökologischen und sozialen Problemen belastet. Niedrige Weltmarktpreise für Kautschuk machen es für die Primärproduzenten von Kautschuk, also die Gummizapfer, die Plantagenarbeiter und die Kleinbauern oft sehr schwer, sich und ihren Familien mit ihrer Arbeit ein auskömmliches Leben zu ermöglichen. Weiterhin gibt es immer wieder Berichte über zum Teil miserable Arbeitsbedingungen wie z.B. unzureichende Sicherheitsstandards, Kinderarbeit, Diskriminierung und Zwangsarbeit. Schliesslich sind Agrargifte, die zum Teil bei der Erzeugung von natürlichem Kautschuk eingesetzt werden, vor allem eine direkte Gefährdung für die Gesundheit der Menschen, die den Kautschuk gewinnen und verarbeiten, und zudem indirekt auch durch eine Belastung von Fauna und Flora vor Ort. Aus veganer Sicht problematisch ist, dass von den meisten Kondomproduzenten weltweit bei der Produktion Casein verwendet wird, ein Proteinanteil von Milch.  

www.fairrubber.org

www.vegansociety.com

Gibt es faire und vegane Kondome?

Doch es gibt durchaus auch Kondome, welche komplett vegan sind und bei der Beschaffung und Verarbeitung des Rohstoffs Kautschuk auf den fairen Umgang mit allen Beteiligten Rücksicht nehmen. Dazu zählen menschenwürdige Arbeitsbedingungen, faire Preise, ökologisch nachhaltiges Wirtschaften sowie der Verzicht auf Kinderarbeit und Tierversuche. Solche Kondome verwenden zum Beispiel Naturkautschuklatex von der FSC-zertifizierten New Ambadi Plantage in Tamil Nadu, Süd-Indien und tragen das Fair Rubber e.V. Logo. In New Ambadi wird in einer nachhaltigen Art und Weise fair gehandelter Latex möglichst umweltschonend erzeugt. Ein Beitrag zur Artenvielfalt von Pflanzen, inzwischen finden sich auch wieder eine Vielzahl von Insekten und Kleintieren in New Ambadi. Respekt und Achtsamkeit – nicht nur im Umgang mit der Umwelt – sind schliesslich eine gemeinsame Verantwortung. Auf der Plantage wird soziale Verantwortung und menschliches Miteinander grossgeschrieben. Mit der Fair Trade Prämie, die für jedes Kilo Latex gezahlt wird, können die Arbeiter und Arbeiterinnen ihre Lebensumstände ein wenig verbessern. Die Belegschaft beschliesst eigenständig über die Verwendung des Mehrpreises, welcher für den Latex bezahlt wird. So wurde in New Ambadi die medizinische Versorgung verbessert, bei schweren Erkältungen wird sichergestellt, dass die Betroffenen von entsprechenden Fachärzten behandelt werden, Mitarbeiter können Stipendien für weiterführende Bildung ihrer Kinder beantragen und eine mit Fair Trade Mitteln finanzierte zusätzliche Rentenversicherung hilft, dass die Arbeiter im Ruhestand etwas besser versorgt sind. Zudem wird bei veganen Kondomen in der Produktion auf die Verwendung von Casein verzichtet.

Sind fair gehandelte und vegane denn sicher?

Selbstverständlich werden auch diese Kondome entsprechend strenger Qualitätsparameter gefertigt und geprüft. Man erkennt dies relativ einfach an einem CE Zeichen und der entsprechenden Angabe der ISO-Norm 4074: 2002 („Kondome aus Naturkautschuklatex – Anforderungen und Prüfverfahren“) auf der Verpackung. Die europäischen Normen zur Herstellung von Kondomen wird auch hier sichergestellt, jedes einzelne Kondom wird elektronisch überprüft und die Produktion wird laufend vom unabhängigen Firmen überwacht.

Mittlerweile gibt es auch neben Kondomen viele verschiedene vegane und auch fair gehandelte Produkte für eine sorgenfreie Sexualität. Gleitmittel, Intimreinigung, Intimrasur, Massageöle oder Massagekerzen sind nur einige Beispiele. Eine Auswahl solcher fair gehandelten, veganen und natürlichen Produkte rund um ein erfülltes Liebesleben haben wir Euch in unserem Shop zusammengestellt.  

In eigener Sache

Zum Schluss noch eine Anmerkung in eigener Sache. Um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, verteilt unser plusherz Laden in Basel übrigens am diesjährigen Welt Vegan Tag am Mittwoch 1. November 2017 von 12:00h-18:00h kostenlos fair gehandelte und vegane Kondome der Marke FAIR SQUARED.