Orgasmus: Was ist das und wenn ja, wie viele? Teil I

Orgasmus: Was ist das und wenn ja, wie viele? Teil I

Das Kamasutra, Römische Bordelle, Griechische Orgien oder aber das eigene Schlafzimmer. Bei jedem Spektakel trieb und treibt er sein Unwesen: Der Orgasmus! Plusherz ist natürlich neugierig und will dem Thema auf den Grund gehen. Fühlt sich der Orgasmus zwischen Mann und Frau eigentlich gleich an? Stimmt es, dass unsere Sexualorgane von ein und demselben Gewebe abstammen, als wir noch Embryonen waren? Und wird die Fähigkeit zum Orgasmus eigentlich vererbt?

Orgasmen entstehen nicht zwangsläufig durch die Stimulation der Geschlechtsorgane. Die Berührung anderer Körperteile als auch das blosse Denken darüber, können sehr erregend sein. Letzte Woche noch erzählte uns eine Kundin, das sie während ihrer 7-jährigen Meditationspraktik durch die Beobachtung reiner Körperempfindungen bereits diverse sinnliche Feierlichkeiten erlebt hat. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der klassische „Höhepunkt“ – zusammenhängend mit der Stimulation der Klitoris und einer Ejakulation des Mannes – bloss die Spitze eines Eisberges. Neben dem gibt es viele andere Arten genitaler und nicht-genitaler Orgasmen, die über sensorische Reize ausgelöst werden.

Bevor wir uns anschauen, was es noch alles zu entdecken gibt, erst einmal etwas faktisches zur Definition und Wortherkunft:

Natürlich gibt es viele verschiedene Versuche, den Begriff <<Orgasmus>> auf verbaler Ebene festzuhalten. Aus naturwissenschaftlicher Sicht würde man ihn laut Kinsey-Report als „austreibende Entladung neuromuskolärer Spannungen auf dem Höhepunkt der sexuellen Reaktion beschreiben“. Oder noch technischer als „kurze Episode der Auflösung der Gefässanstauung und des erhöhten Muskeltonus infolge sexueller Reize“ (laut Masters & Johnson). Irgendwie klingt das unsexy und langweilig oder? Manch einer von uns mag so gewaltige Orgasmen erlebt haben, wo eine Beschreibung mit Worten zwecklos scheint.

Seinem Ursprung aus dem griechischen Wort <<orgao>> zufolge bedeutet „Orgasmus“ es so etwas wie <<mit Lust anschwellen>> oder <<vor Begierde strotzen>>. Das Adjektiv <<orgiastisch>> bezieht sich auf ein ekstatisches, das heisst ein aus der Norm heraustretendes, Erleben. Es bezieht sich zudem auf den Ausdruck <<Orgie>>, aus der Antike, und beschreibt eine ausschweifende kultische Feier. Na, das klingt doch schon wesentlich unterhaltsamer und spannend!

Jeder Mensch kann grundsätzlich zum Orgasmus kommen. Es ist jedoch nach wie vor umstritten, ab welchen Alter diese Empfindungen zum ersten mal auftreten. Eine Erektion des Penis kann sogar schon beim menschlichen Embryo, also im Uterus, stattfinden. Aber wie bereits erwähnt gibt es noch keine rigoros durchgeführten Studien über die allgemeine Orgasmusfähigkeit bezüglich unserer Entwicklungsphasen. Obwohl es ein klares Muster eines Rückgangs der Sexualfunktion bei älteren Menschen gibt, können selbst Personen über 90 Jahre noch einen Orgasmus erleben. Ein Rückgang hängt oft eher damit zusammen, dass der Partner verstorben ist.

Plusherz hat sich gefragt ob es, abgesehen von der Empfindung des Körpers und viel Lebensfreude, eigentlich noch andere wichtige Gründe gibt Orgasmen zu erleben. Uns kam einmal zu Ohren, dass bei einem Höhepunkt bestimmte Botenstoffe ausgeschüttet werden, die im Nachhinein für einen Hangover sorgen können. Dieser soll plump gesagt auf Dauer bezwecken, dass Paare sich aus einer evolutionären Absicht heraus nach weiteren Fortpflanzungsmöglichkeiten umschauen. Ob das stimmt? Bekannt ist, das so manch einer nach dem Höhepunkt ein tief empfindet oder aber auch bloss Müdigkeit oder Desinteresse. Hauptverantwortlich ist hier vor allem ihr Dopamin. Sinkt die Dosis durch häufige Orgasmen, entwickeln wir Entzugserscheinungen, die wir scheinbar sogar an unseren Partner koppeln. Der Heisshunger, der spontane Einkaufsbummel oder gar Pornosucht in extremen Fällen, kommen nicht etwa vom Himmel gefallen. Ihr ganz persönlicher „Dopamin-Blues“ trägt hier die Verantwortung. Dieses Phänomen nennt man auch „Coolidge-Effekt“, über den wir in einem anderen Artikel noch berichten werden.

Also, es gibt gute Gründe, das orgiastische Potenzial Ihres Körpers weiterhin zu entdecken und auszuschöpfen. Finden Sie nicht? Lassen Sie sich von dieser Vielfalt im zweiten Teil unseres Artikels überraschen.