Küssen ist oft eine Frage der Übung!

Die Kunst des Küssens

Wie keine andere Berührung hat der Kuss symbolische Bedeutung. Er versinnbildlicht Vereinigung und Hingabe, Verschmelzung und Anbetung. Damit beweist er, wie nah Sex und Kirche beisammen liegen. Als Judaskuss ist verräterisch, als French Kiss mehr als ein Lippenbekenntnis und als Anilingus geht er hinterrücks in die Annalen ein. Anders als der Koitus verfügt der Kuss über ein extrem großes Bedeutungsspektrum. Er kann durchaus erotisches Potenzial besitzen, aber auch ganz unschuldig sein. Nicht umsonst ist er in der Öffentlichkeit zugelassen. Und auch zwischen Eltern und Kindern, ja selbst unter Politikern östlicher Herkunft ist er gang und gäbe. Anders verhält sich dies schon beim Küssen auf den Mund mit Zungeneinsatz - dem sogenannten Zungenkuss oder French Kiss. Während der Penetration des Mundes durch die Zunge des Kusspartners wird die Penetration der Vagina durch den Penis quasi vorweggenommen. Zumindest drängt sich die Assoziation auf. Der Unterschied: Frauen können hier einmal eine (ein-)führende Rolle übernehmen. Wissenschaftliche Theorien gehen davon aus, dass Küssen auf einen Fütterungsmechanismus zurück zu führen ist, wie er bei Affen beobachtet wird: von Mund zu Mund. Als Relikt dieses frühzeitlichen Nahrungstransfers bringt er somit Fürsorge zum Ausdruck. Wilder ist die These von Sexualforscher Ernst Bornemann. Er vertritt die Meinung, dass der Kuss schon immer sexueller Natur war. Bei der Paarung habe man sich ineinander verbissen und dann irgendwann zum Küssen gefunden - ähnlich, wie es die Vögel beim Schnäbeln tun. Sigmund Freud verknüpft Nahrungsaufnahme und Sinnlichkeit: Er betrachtet das Küssen als Fortsetzung des Saugens an der nährenden Mutterbrust. Dadurch würden die Lippen des Säuglings sexualisiert und gewissermaßen kussüchtig. Eine „Schnüffelthese“ bietet der amerikanische Anatom David Berliner. Er hat festgestellt, dass besonders viele Pheromone - duftende Sexuallockstoffe - an den Nasenflügeln freigesetzt werden. Also gerade dort, wo sich beim Küssen die Nasenlöcher des Partners befinden. Somit würde beim Küssen festgestellt, ob man den andere riechen kann oder nicht. Ist dieses emotionale Urteil erst einmal gefällt, kann der Verstand nicht mehr dagegen vorgehen. Der Geruchssinn ist nämlich direkt mit dem limbischen System im Gehirn gekoppelt und beeinflusst damit Hormonproduktion und sexuelle Lust. Man vermutet: Je unterschiedlicher die Genmuster der beiden Schnuppernden, desto größere die sexuelle Anziehungskraft. Auf diese Weise wolle die Natur eine bestmögliche Genverteilung erzielen. Fakt ist: Küssen macht Lust. Wer beim Küssen gut harmoniert, hat gute Chancen auf Sex und Beziehung. Küssen bedeutet Leidenschaft, zeigt, dass man seinem Gegenüber so vertraut, dass man seine/ihre Zunge im Körper mag und Flüssigkeiten austauschen kann. Klar, dass man da bei lauter Vorfreude die Augen schließt. So machen es jedenfalls die meisten Menschen, um sich besonders stark auf das innere Erleben und den Tastsinn konzentrieren zu können. Das Gehirn schüttet daraufhin Endorphine und Dopamine in Massen aus. Das hilft nicht nur gegen Stress, sondern macht auch noch richtig scharf. Küssen für Anfänger:
  • Die Münder liegen leicht versetzt aufeinander.
  • Den Mund nicht zu stark aufreißen, sondern die Öffnung der Lippen variieren. Von ganz leicht bis weiter geöffnet.
  • Die Zunge nicht ständig zum Einsatz bringen, sondern immer nur als Highlight einsetzten. Dabei nicht schnell rotieren oder mit harter Zunge rumwedeln, sondern die Zunge weich und langsam um die Zunge des Partners schlängeln. Mal schüchtern, mal fordernd.
  • Auch der Druck der eigenen Lippen auf die anderen Variieren. Wird der Kuss leidenschaftlicher, darf auch der Druck kurz zunehmen.
  • Nicht zu viel Spucke verlieren. Feucht ist okay, zu viel Nässe nicht.
  • Variation ist essentiell. Wer ein Schema abspult, hat schon nach wenigen Minuten verloren. Wichtig ist es, auf seinen Gegenüber zu achten und forderndes Küssen, Rückzug, Seitenwechsel, Zungeneinsatz, etc. richtig zu interpretieren und sich anzupassen.