Geplanter Sex kann viel Freude bringen

Scheduled Sex – Sex nach Plan

"7 Tage Sex“ hieß eine - mittlerweile abgesetzte - „Help-Doku“ bei RTL, die nicht nur mit geringer Quote enttäuschte, sondern auch inhaltlich nicht viel Neues bot. „Keine Zeit für Sex“ war – grob gesagt - das Thema des Vierteilers, der ganz normale Pärchen unter die Lupe nahm und zeigte, dass der partnerschaftliche Beischlaf einer der ersten Punkte ist, der bei vollem Terminplan aus ebenjenem gestrichen wird. Doch immerhin zeigten sich die Macher so kreativ, einen Trend als Lösung vorzuschlagen, der vielen Paaren längst bekannt ist: Scheduled Sex. Was für viele Menschen wie der ultimative Spontaneitätskiller klingt, kann in einer Welt, die immer weniger spontan sein kann, die Rettung der Sexualität sein. Wie bitte, soll schließlich im Tagesablauf - der Job, Freizeit, Selbstständigkeit und vielleicht sogar Kindererziehung unter einen Hut bringen muss - Zeit sein für romantisches Werben oder erotisches Prickeln? Spätestens abends im Bett, und das oft erst nach Wochen, wird klar, dass in einer Beziehung etwas fehlt, wenn zwar der Job erfüllt, der Sport seinen Platz hat und die Kultur nicht zu kurz kommt, aber die hemmungslose Körperlichkeit auf der Strecke geblieben ist. Die Effizienz in Beruf und Freizeitplanung kann dann ein Ansatz für eine ebensolche Effizienz beim Sex sein. Und das, ohne, dass der Geschlechtsverkehr zur Pflicht verkommt. Immer häufiger vereinbaren Paare daher vertragsähnliche Regelungen für ihre Liebesspiel – bis hin zur schriftlichen Fixierung, wann, wie, wo und wie oft man Sex haben will. Im Amerikanischen hat sich dafür der Begriff des "Scheduled Sex" etabliert. Diese "Intimität nach Terminkalender" kann als Antwort auf zunehmenden Stress und hohe Arbeitsbelastung gelten, aber sie sorgt auch dafür, dass der Sex bewusster erlebt wird. Paare verabreden dabei einen oder mehrere Termine, an denen sie miteinander schlafen wollen. Das kann zuhause sein, wenn die Kinder im Bett sind, das kann in einem Hotel oder sogar im Auto sein. Wichtig ist, dass das Abkommen gerade zuhause eingehalten wird. Denn das macht es möglich, dass endlich wieder eine Vorfreude entsteht, wie vor einem Date, bei dem man ahnt, dass man möglicherweise noch „auf einen Kaffee“ mit hinaufkommt. Viele Paare berichten davon, dass sie sich speziell herausputzen, ihre schönste Wäsche oder sogar Strapse und Dessous tragen, ihren Haaren zuleibe rücken und das Schlafzimmer einladend gestalten. Der Fernseher bleibt genauso aus, wie das Handy, alles was zählt ist die eingeplante Zeit zu zweit. Eine Studie des Kelheimer Zukunftsinstituts bestätigt diesen Trend zur „Verführung mit Ansage“. Und sie behaupten: Sogar bei Paaren, die nicht ständig unter zeitlichem Stress und hoher Arbeitsbelastung leben, hat der „Scheduled Sex“ eine positive Auswirkung. Auch in langen Beziehungen – in denen Intimität oft nur noch eine Nebenrolle einnimmt – führt der feste Termin dazu, dass vermehrt geliebt wird. Wie in der Phase der ersten Verliebtheit werden andere Pflichten zurückgestellt, um Sex zu haben und Zweisamkeit zu genießen. Das Bier mit den Kumpels kann dann warten, die Ehefrau in Strapsen definitiv nicht! Und wer das anfangs befremdlich findet, kann unbesorgt sein. Der Appetit kommt bekanntlich, wenn das Essen angerichtet auf dem Tisch steht. Oder im Bett liegt… Und nach einiger Zeit wird aus Scheduled Sex immer öfter spontaner Sex!