Liebesbeziehungen zu dritt oder viert, ist das möglich?

Polyamorie – Geteilte Liebe hält besser?

Auch wenn es der eine oder die  andere noch nicht wahrhaben will: Sex geht auch ohne Liebe. Und Sex mit mehreren Partnern? Kein Problem. Doch wie schaut es mit der Liebe aus? Kann man mehrere Partner lieben? Robyn Trask, eine 41-jährige Amerikanerin, glaubt schon. Sie hat eine Bewegung namens „Loving More“ gegründet und liebt seit vielen Jahren mehrere Männer gleichzeitig. „Polyamorie“ nennt Robyn diese Art der Viel-Liebe, bei der zwar Sex eine Rolle spielt, es aber vielmehr um langfristige Liebesbeziehungen zu mehreren Menschen gleichzeitig geht. Das mag sogar für Swinger etwas gewagt erscheinen, denn für viele Anhänger der „freien Liebe“ hört der Spaß beim „Neuverlieben“ auf. Spaß teilen ja, Liebe teilen nein. Aber  ist die Polyamorie wirklich so abwegig? Für viele Menschen nicht: Schätzungsweise 600 bis 6000 Menschen leben in Deutschland die offene Vielweiber- und Vielmännerei. Weltweit sind es ein paar Zehntausend. Belastbare Zahlen gibt es nicht. Der Name ist eine Wortneuschöpfung aus dem griechischen „poly“ (viel) und dem lateinischen „amor“ (Liebe). Manche Anhänger der Lebensweise teilen eine Wohnung. Andere spannen ihre erotisch-amourösen Netze über den gesamten Globus. 30 Personen und mehr gehören zu manchen Beziehungsgeflechten. Die Liebesbündnisse schließen nicht selten zwei oder drei Generationen ein. Grundregel des Lebensstils: Jeder Partner weiß von allen anderen. Heimlichkeit ist tabu. Und Polyamorie ist nicht Polygamie, also nicht „Vielehe“. Die ist in Deutschland gesetzlich verboten. Die Vielfachliebe ist keine Erfindung der Hippie-Generation. Künstler und Intellektuelle pflegten schon lange vor den Blumenkindern ähnliche Lebensweisen. Bertold Brecht, Virginia Woolf, Rainer Maria Rilke und Bertrand Russel etwa lebten offene Liebesbeziehungen, das Schriftstellerpärchen Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir gestattete sich „Zufallslieben“. Auch heute gibt es Polyamoristen unter den Promis. Der US-Investor Warren Buffet, zurzeit der zweitreichste Mann der Welt, führte viele Jahre eine Dreierbeziehung mit seiner Ehefrau Susan und seiner Freundin Astrid Menks. Der deutsche TV-Regisseur Dieter Wedel zeigte sich in der Vergangenheit oft gemeinsam mit zwei Lebensgefährtinnen. Ob sie glücklicher sind? Eines jedenfalls scheint sicher: Polyamorie verhindert nicht automatisch den Wunsch, heimliche Liebesbeziehungen zu unterhalten.“Loving More“-Gründerin Robyn Trask etwa fand heraus, dass ihr Ehemann – einer ihrer drei Gespielen – mehrere Monate lang eine Fernbeziehung hatte. Als die Sache aufflog, gab es ein Drama, dass sich in nichts von dem unterschied, was monogam lebende Menschen durchmachen. Aber sind wir doch mal ehrlich: Wer hat sich nicht schon in einer Beziehung in einer andere Frau verliebt und das Gefühl der Verliebtheit genossen, ohne aber dabei auf die intensive und jahrelange Liebe mit der eigentlich Beziehung verzichten zu wollen. Oft hat sogar eine neue Verliebtheit die alte Beziehung zu neuem Leben erweckt. Regel – wie „Loving More“ sie auch empfiehlt – sollten natürlich sein. Niemand darf bevorzugt werden, ggf. hat die erste Beziehung aber ältere Rechte. Aber mit etwas Planung, Offenheit und Verständnis, könnte für  manche Menschen aus einer Idee wie der „Polyamorie“ ein selbstverständliches Lebens- und Liebe-Konzept werden, dass mehr zur heutigen Zeit passt, als die klassische Ehe.